Fraunhofer Institut beruft sich auf Schätzungen

Fraunhofer Institut beruft sich auf Schätzungen

Fraunhofer Institut beruft sich bei Studie nur auf Schätzungen, auch RAL-Gütegemeinschaft ermittelt andere Werte

In den letzten Monaten sorgte eine Studie des Fraunhofer Instituts zu Mikroplastik für Aufsehen in den Medien. Das Institut behauptet, dass jährlich in Deutschland 8.000 bis 11.000 Tonnen Granulat von Kunstrasenplätzen in die Umwelt ausgetragen werden. Inzwischen gibt Fraunhofer zu, dass die Zahlen nicht wissenschaftlich untermauert sind und man deshalb eine neue Studie in Angriff nimmt. Polytan geht von etwa einem Zehntel der publizierten Menge aus und kann diese durch Erfahrungen aus der Praxis belegen. Unverständlich ist, dass die Autoren zwar zugeben, dass es sich um keine empirische Studie handelt und die auf Schätzungen beruhenden Werte zu hoch seien, aber man sie nicht korrigieren möchte.

“Es sind „nur Schätzungen“, gibt Iris Kumpmann zu, Abteilungsleiterin Public Relations bei Fraunhofer. Die Studie müsse überarbeitet werden, man müsse „nochmal konkret ran“. Kommunen und Vereine würden angeschrieben und um Mithilfe gebeten. Kumpmann rechnet mit einem Jahr, bis „die Fassung 2.0“ fertig ist. Es stehe ja auch in der Studie, dass die Ergebnisse „nicht wissenschaftlich komplett untermauert sind“. Man habe „sensibilisieren“ wollen.“
Schwäbisches Tagblatt 14. Juni 2019

Was sagt die RAL Gütegemeinschaft zur Studie von Fraunhofer?

Auch die Gütegemeinschaft RAL zweifelt die veröffentlichten Zahlen an:

„Wir als RAL Gütegemeinschaft Kunststoffrasen und Kunststoffbeläge wollen uns in unserer Gegendarstellung auf die Fakten, insbesondere im Hinblick auf die in Deutschland verbauten Systeme und die Mengen an Gummigranulat, die in diesen Rasen verbaut werden beschränken. Wir widersprechen ganz ausdrücklich den von Fraunhofer in Umlauf gebrachten Zahlen, die so auf Deutschland nicht zutreffen.“

Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.ral-ggk.eu/news/49-news/220-microplastik-in-kunstrasen.html

Wie kam es zu diesen auf Deutschland nicht zutreffenden Werte?

Die Autoren haben ältere Untersuchungen und europäische Mengenansätze verarbeitet. In Europa wird aufgrund der Bauweise wesentlich mehr Granulat auf den Plätzen ausgebracht. Man kann diese Werte nicht einfach auf Deutschland übertragen. Fraunhofer geht von rund 12 Kilo Granulat pro Quadratmeter aus, das jüngste Produkt aus dem Hause Polytan kommt mit 1,7 Kilogramm pro Quadratmeter aus. Selbst bei einem Wert von fünf Kilogramm wie bei älteren Plätzen üblich, sind die Zahlen von Fraunhofer nicht haltbar.
In Deutschland gibt es etwa 3.500 Plätze, die mit Gummigranulat verfüllt sind. Bei der von Fraunhofer angegebenen Menge müssten jedes Jahr pro Platz mehr als drei Tonnen abgetragen werden. Fragt man die Platzeigentümer, ist die Rede von wenigen Zentnern, die nachgefüllt werden. Polytan kann das bestätigen, denn die nachbestellten Mengen an Granulat zum Nach-Verfüllen entsprechen diesen Angaben.

Fraunhofer behauptet, mit Platzeigentümern und Herstellern gesprochen zu haben. Leider haben die Autoren nicht beim Marktführer Polytan angerufen. In einem Gespräch im Vorfeld hätte man die Fehlerquellen ausräumen können. Stattdessen sorgt die Studie für Verunsicherung bei Verbänden, Städten, Gemeinden und Vereinen. Eine Zusage, die Zahlen in der aktuellen Studie zu korrigieren, hat Fraunhofer im letzten Moment zurückgezogen.
Das Institut hat angeboten, dass sich Polytan an der neuen Studie beteiligen kann. Stellt sich die Frage, warum man beim Erarbeiten der ersten, nachweislich mit für Deutschland völlig falschen Zahlen arbeitenden Studie nicht im Vorfeld mit Polytan Kontakt aufgenommen hat.
Dennoch wollen wir aktiv bei der Revision der Studie mitarbeiten und unser Know-How einbringen.

Landesregierung Nordrhein-Westfalen garantiert Bestandsschutz

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat erstmal für Klarheit gesorgt und für ein mögliches Aus für Kunstrasenplätze wegen eines Mikroplastik-Verbots Entwarnung gegeben. Ein Verbot von bestehenden Kunstrasenplätzen sei durch die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) und die Europäische Kommission nicht geplant. Lesen Sie den ganzen Artikel.

Keine Gefährdung durch Mikroplastik im Trinkwasser

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat untersucht, welche Gefahren von Mikroplastik im Trinkwasser ausgehen. Das Ergebnis: Es existieren derzeit keine Hinweise darauf, dass Mikroplastik im Trinkwasser der Gesundheit schadet.
Aber auch ein anderes Thema rückt damit verstärkt in den Fokus: Was ist eigentlich Mikroplastik? Momentan gelten alle Partikel, die kleiner als einen halben Zentimeter sind und einen Kunststoffanteil haben, als Mikroplastik. Aber es gibt keine einheitliche Definition. So fällt auch das Gummigranulat auf Kunstrasenplätzen unter die Rubrik Mikroplastik. Für das Trinkwasser relevant sind aber nur Teilchen, die nicht größer als 150 Mikrometer groß sind, was 0,015 Zentimetern entspricht. Das Granulat ist durchschnittlich zwischen zwei und fünf Millimeter groß. Im deutschen Mineralwasser wiesen die Forscher weniger Plastikpartikel nach als in Mineralwasser. Der Großteil der Plastikpartikel wird laut WHO zudem in Kläranlagen abgefangen.

Die Polytan GmbH setzt sich seit Jahren für eine Verringerung des Kunststoffanteils bei ihren Infill-Granulaten ein. So bestehen moderne Granulat zu 70 Prozent aus Naturstoffen wie Hanf oder Kreide. Auch die in Deutschland vor wenigen Jahren noch üblichen fünf Kilogramm Gummi-Infill unterschreitet das Unternehmen inzwischen deutlich. Kombiniert mit dem LigaGrass Synergy CoolPlus, einer Mischung aus gekräuselten und glatten Halmen, braucht man nur noch 1,7 Kilogramm Einstreugranulat pro Quadratmeter.

Weitere Informationen finden Sie unter:

Landessportbund Hessen: https://www.landessportbund-hessen.de/nc/geschaeftsfelder/kommunikation-und-marketing/pressemitteilungen/pressemeldung/news/kunstrasenplaetze-sind-fuer-den-sportbetrieb-unverzichtbar/

Landessportverband Schleswig-Holstein: https://www.lsv-sh.de/presse-medien/artikel/spielfelder-mit-kunstrasen-und-kunststoffgranulaten-als-infill-in-der-kritik/

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