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“Nachhaltigkeit wird bei uns immer die dominierende Rolle spielen”

Die Polytan Produkte werden immer „grüner“. Das heißt, das Thema Nachhaltigkeit steht weiterhin im Fokus. Wir sprachen mit Friedemann Söll, Leiter des Produkt-Managements der Sport Group und der Polytan über die Zukunft der Sportbeläge.

ON TOP: Herr Söll, was sind die wichtigsten Produktentwicklungen in 2023 und auf was dürfen sich unsere Kunden und Kundinnen in naher Zukunft freuen?

Friedemann Söll: Wir sind in vielen Bereichen unterwegs. Da alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Deshalb nur ein paar Beispiele: Wir haben mit dem Poligras Paris GT zero den ersten klimaneutralen Hockeyrasen weltweit entwickelt. Dieser Belag kommt im nächsten Jahr bei den Spielen in Paris zum Einsatz. Außerdem verfügen wir erstmals über einen Hockeyrasen, der ohne Bewässerung auskommt und nahezu die gleichen Spieleigenschaften hat, wie die bewässerten Systeme. Das wird im Hockeysport die Zukunft sein. Im Fußball-Bereich haben wir mit dem LigaTurf Next ein attraktives Fußballrasensystem mit glatten Fasern für Profis sowie den Amateurbereich geschaffen. Seit einiger Zeit setzen wir bei vielen unseren Rasen Recyclingmaterial ein.

ON TOP: Das Thema Nachhaltigkeit spielt für die Polytan schon seit Jahren eine große Rolle. Das Unternehmen sieht sich als Vorreiter der Branche. Welche Bedeutung nehmen dabei natürliche Rohstoffe ein?

Friedemann Söll: Nachhaltigkeit wird bei unseren Produkten immer die dominierende Rolle spielen. Nachwachsende oder natürliche Rohstoffe sind für uns sowohl im Rasen, im Kunststoffbelag als auch als Infill unersetzlich. In den Filamenten unserer Kunstrasensysteme kommt ein Abfallprodukt der Zuckerrohrernte aus Brasilien zum Einsatz. Das Material, das wir verwenden, ist weder für die Lebensmittel-Industrie noch für die Treibstoffgewinnung zu gebrauchen. Wir arbeiten hier mit dem Kunststoffhersteller Braskem zusammen, der von der ISCC, einer international anerkannten Organisation, kontinuierlich auditiert und zertifiziert wird. Ich werde immer wieder mit der Aussage konfrontiert, dass für die Zuckerrohrplantagen Regenwald gefällt würde. Das ist absoluter Unsinn, denn Zuckerrohr braucht ganz andere klimatische Bedingungen. Die meisten Plantagen liegen tausende Kilometer vom Regenwald entfernt. All das haben wir abgeklärt, bevor wir uns für die Kooperation mit Braskem entschieden haben.

ON TOP: Sie haben jetzt vom Rasen gesprochen. Was ist mit dem Infill? Welche Entwicklungen und Trends gibt es beim Einstreugranulat.

Friedemann Söll: In der Vergangenheit wurden die meisten Fußballrasensysteme mit Sand-Gummi verfüllt. In Deutschland werden synthetische Einstreugranulate kaum noch eingesetzt. Wir bieten bereits jetzt zahlreiche Alternativen aus organischem oder mineralischem Material an. Sie ersetzen zukünftig die polymerischen Füllstoffe. In Deutschland ist das bereits jetzt zu 99 Prozent der Fall.
Aber die gesamte Industrie sammelt gerade Erfahrungen, denn die Märkte und klimatischen Bedingungen in Europa sind sehr unterschiedlich. Nur ein Beispiel: ein Infill, das im kühlen Skandinavien funktioniert, kann man im heißen und trockenen Südspanien vielleicht nicht gebrauchen. Deshalb muss das Angebot auf den jeweiligen Markt und Nutzer des Platzes zugeschnitten sein. Wir sind bereits jetzt breit aufgestellt und können jeweils die passende Infill-Lösung anbieten.

ON TOP: Was versprechen Sie sich davon, wenn Sie so konsequent auf Nachhaltigkeit setzen?

Friedemann Söll: Als Unternehmen in der Kunststoffindustrie stehen wir besonders in der Verantwortung, weil unsere Produkte sehr rohstoff-intensiv sind. Früher haben wir mit fossilen Rohstoffen produziert. Das versuchen wir heute so weit wie möglich zu reduzieren. Damit schonen wir die Ressourcen. Es gilt jetzt und heute CO2 einzusparen, um den Klimawandel entgegenzuwirken. Dafür brauchen wir natürliche Rohstoffe und recyceltes Material. Das ist meine Überzeugung und wir werden als Polytan den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen.

ON TOP: Sie bieten ab diesem Jahr das Recycling alter Kunstrasenplätze an. Warum?

Friedemann Söll: Das beste Produkt taugt in meinen Augen nichts, wenn es nicht am Ende seines Lifecycles wieder in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden kann. Bisher wurden die meisten Kunstrasenplätze thermisch verwertet. Das ist keine nachhaltige Lösung. Die Kreislaufwirtschaft sieht vor, dass ein Produkt wiederverwertet, also recycelt wird. Mit FormaTurf bieten wir da eine echte Alternative und hoffen, dass sich viele unserer Kunden für diese nachhaltige Form der Entsorgung ihres Platzes entscheiden.

Nachhaltigkeit, “Nachhaltigkeit wird bei uns immer die dominierende Rolle spielen”

ON TOP: Ein weiteres Recycling-Thema: Sie haben eben bereits von recycelten Kunststoffen im Kunstrasern gesprochen. Können Sie uns mehr dazu sagen?

Friedemann Söll: Unsere Kunstrasen-Systeme werden künftig zu einem Teil aus PCR-Materialien bestehen (PCR = Post Consumer-Recycling). Dazu greifen wir auf wiederaufbereitete Verpackungsmaterialien zurück. Wir haben uns bewusst für das mechanische Recycling der Materialien entschieden, weil nach unserer Meinung das chemische Recycling eine deutlich schlechtere Energiebilanz hat.

Das zahlt positiv auf unsere CO2-Bilanz ein. Der Großteil unseres Rasenportfolios hat seit diesem Jahr einen Anteil an recycelten Materialien. Dazu gehören bereits sechs von neun Fußball- und Multisportrasen. Einer davon ist sogar eine Kombination aus recycelten und biobasierten Rohstoffen. Wir stehen hier noch am Anfang, das heißt, die Entwicklungen gehen weiter. Das kann ich heute schon versprechen.

ON TOP: Wir haben bisher über Kunstrasen gesprochen. Wie sieht das Recycling bei den anderen Belägen, zum Beispiel den Laufbahnen aus? Und welche Entwicklungen gibt es bei Laufbahnbelägen?

Friedemann Söll: Wir haben das Recycling vor Ort bereits für die elastifizierenden Schichten eingeführt. Nach einer Nutzungsdauer von über 35 Jahren muss auch eine in-situ eingebaute elastische Schicht einmal recycelt werden. Das können wir gemeinsam mit unserem Partner PR-Recycling durchführen und das aufbereitete Material direkt wieder als elastische Schicht vor Ort einbauen. Ähnliche Verfahrenstechnologien setzen wir auch bei den Kunststofflaufbahnen ein. Der Ansatz ist der gleiche, aber aufgrund der besonderen Materialkombination und der erforderlichen Präzision sind hier noch Anpassungen notwendig. Aber auch die Kunststoffbeläge an sich werden „grüner“: Unser besonders auf den Leistungssport zugeschnittener Gel-Belag Rekortan GEL GT besteht zu über 60 % aus biobasiertem Material. Der Voll-PU-Belag ist genauso von der World Athletics zertifiziert wie unsere wasserbasierte
Spritzbeschichtung. Bei der Deckschicht kommt eine wasser- statt lösemittelbasierte Spritzbeschichtung als Material zum Einsatz. Die Basis dafür bildet unser GT-Bindemittel, das auch bei anderen Kunststoffbelägen, wie zum Beispiel unseren Elastikschichten und Fallschutzsystemen, zum Einsatz kommt. Die ersten Versuche im Recycling von Laufbahn- und Mehrzweckbelägen sind bereits erfolgreich verlaufen. Da ist in nächster Zeit einiges zu erwarten.

ON TOP: Es tut sich also eine Menge bei der Polytan im Bereich Nachhaltigkeit. Aber wie wirkt sich das auf die Preise aus?

Friedemann Söll: Wir stehen als Unternehmen in der Pflicht, unsere Kunden bestmöglich zu beraten und ihnen die Möglichkeiten aufzuzeigen, die es bereits jetzt gibt, eine Sportanlage nachhaltig zu bauen und dabei den gesamten Lifecycle im Blick zu haben. Es gibt nicht die eine Lösung. Manche Lösungen erfordern neue und aufwendigere Technologien, manche Systeme müssen komplett neu entwickelt und zur Serienreife gebracht werden, was höhere oder zusätzliche Kosten bedeuten kann, an anderer Stelle können sich auch Einsparungen ergeben. Insofern muss man das Thema ganzheitlich betrachten und die unterschiedlichen Bausteine miteinander kombinieren. Grundsätzlich gilt aktuell jedoch: Nachhaltigkeit gibt es nicht umsonst. Das verstehen auch immer mehr Kunden.

ON TOP: Wenn der Kunde oder die Kundin heute einen Sportplatz, egal ob Fußball, Leichtathletik oder Hockey, bauen möchte, was empfehlen Sie ihm oder ihr?

Friedemann Söll: Er oder sie  sollte sein Augenmerk auf das Thema “Nachhaltigkeit und CO2” richten. Das sehen auch viele Regularien bei der öffentlichen Beschaffung vor. Deshalb setzen wir auf nachwachsende Rohstoffe, recycelte Materialien und ein umweltfreundliches Verfahren der Entsorgung und Wiederverwertung. Wir reduzieren den Einsatz von fossilen Kunststoffen und versuchen mit weniger Material auszukommen. Ein weiterer Punkt ist die Bauweise. Beim Kunstrasenplatz setzten wir auf einen Unterbau, der mindestens drei Generationen des Rasenteppichs übersteht. Wenn die Elastikschicht dann doch am Ende ihres Lifecycles ist, können wir sie mit einem Partner vor Ort recyceln und wieder einbauen. Laufbahnen müssen am Ende ihrer Lebenszeit nicht unbedingt komplett neu gebaut werden, oft reicht auch ein sogenanntes Re-Topping, das heißt, es wird nur die Oberschicht erneuert. Auch das spart Ressourcen, Geld und schont die Umwelt. Es gibt also bereits heute eine Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten für die anstehenden Herausforderungen und wir bleiben zusammen mit unseren Entwicklungs- und Forschungsabteilungen an dem Thema grüne Technologien bei den Sportbelägen und im Sportplatzbau dran.

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