Auf dem Weg zu klimapositivem Kunstrasen

Interview Stephan Sick

Sport Group entwickelt mit einem internationalen Team von Fachleuten in Deutschland, in den Vereinigten
Staaten und in Australien Kunstrasenprodukte neuester Generation. Stephan Sick, Direktor für Forschung und Entwicklung der Sport Group, führt das Team an und ist eine der treibenden Kräfte hinter neuen Produkten von Polytan. Neben den bestmöglichen Bedingungen für die Sportler hat er sich das Thema Umweltschutz ganz groß auf die Fahne geschrieben. In den letzten Jahren hat sich die CO2-Bilanz vieler von Polytan angebotener Produkte deutlich verbessert und reicht inzwischen bis zum CO2-neutralen Kunstrasen. Das alles fassen wir bei Polytan unter dem Begriff Green Technology (GT) zusammen. Doch der Weg ist noch nicht zu Ende, wie uns Stephan Sick im Interview bestätigt.

Welche Vision steckt hinter dem Projekt Green Technology der Sport Group?

Unsere Vision ist es, eine vollständig grüne Lieferkette für Sportböden zu entwickeln, damit wir klimapositive Produkte für Kunstrasen und Laufbahnen herstellen können. Wir haben viele Jahre Erfahrung im Umgang mit nachwachsenden Ressourcen für Bindemittel und streben nach noch mehr umweltfreundlichen Produkten und grüner Technologie. Im Bereich Kunstrasen war der Poligras Tokyo GT Hockeyrasen der erste bedeutsame Schritt in diesem Transformationsprozess. Einen Schritt weiter sind wir mit dem LigaTurf Cross GTzero gegangen. Er ist der erste CO2-neutrale Kunstrasen der Welt.

Was braucht es, um diese Vision umzusetzen?

Diese Transformation erfordert eine materialwissenschaftlichorientierte und verfahrenstechnische Entwicklung über die gesamte Wertschöpfungskette der Kunstrasenherstellung. Durch die branchenweit einzigartige und global vollständig integrierte Lieferkette erreichen wir eine unübertroffene Qualitätskontrolle. Wir können uns voll und ganz auf die Wertschöpfungskette verlassen und so einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Dadurch werden sämtliche Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigt, wie beispielsweise die spieltechnische Performance des Belags, der Langzeitwert für den Kunden und der ökologische Fußabdruck. Natürlich werden auch die neuen Beläge nach strengsten Richtlinien zertifiziert werden. Außerdem suchen wir bei unseren natürlichen Rohstoffen nach Produkten, für deren Herstellung weniger Düngemittel, Pestizide und Wasser nötig sind. Wir investieren in die Lieferkette, um einen Mehrwert für unsere Kunden und eine nachhaltige Zukunft für den Sport zu schaffen.

Wie muss man sich die Entwicklung von Tokyo GT und LigaTurf Cross GTzero vorstellen?

Bahnbrechende Produkte wie diese Kunstrasen erfordern eine Vielzahl von internen und externen Experten sowie starke, engagierte Geschäftspartner. Intern haben wir unser firmeneigenes Fachwissen eingebracht, bestehend aus Forschungsteams und Mitarbeitern unseres weltumspannenden Forschungs- und Entwicklungsnetzwerks. Extern haben wir ein Netzwerk aus kompetenten Partnern aufgebaut, bestehend aus
externen Prüflabors, Universitäten, Polymer- und Materialwissenschaftlern.

Sie haben mit dem Poligras Tokyo GT zuerst einen Hockeyrasen nach diesen Maßstäben entwickelt. Warum gerade Hockey?

Dafür gibt es drei Gründe. Erstens verfügen Hockeyvereine über langjährige Erfahrung mit Kunstrasen. Deshalb setzt man dort schon lange auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Die Hockeygemeinschaft kennt sowohl die Herausforderungen als auch die Vorteile von Kunstrasen und ist ständig auf der Suche nach noch besseren Produkten. Zweitens haben wir uns für Hockeyrasen entschieden, weil es sich um ein komplex strukturiertes Produkt mit perfekt abgestimmten Leistungsanforderungen handelt. Für uns war es eine Art „Lackmustest“: Wenn wir es schaffen, einen Spitzenhockeyrasen mit grüner Technologie herzustellen, dann wird uns das auch für alle anderen Sportarten gelingen. Davon waren wir überzeugt. Wir haben mit dem Tokyo GT Erfahrungen gesammelt, die dann in den LigaTurf Cross GTzero eingeflossen sind. Und zu guter Letzt wollten wir Tokios ambitioniertes Ziel von klimaneutralen Olympischen Spielen in der Stadt unterstützen. Leider müssen die Spiele ja wegen des Corona-Virus verschoben werden, aber das Ziel der klimaneutralen Olympiade bleibt bestehen.

Für die beiden Kunstrasen ist Zuckerrohr ein wichtiger Rohstoff. Wie kamen Sie auf die Zuckerrohrlösung?

Es gibt eine Reihe von Alternativen zu Zuckerrohr, zum Beispiel Stärke oder Zellulose. Wir haben uns für eine PE-Technologie auf Zuckerrohrbasis entschieden, weil wir damit den höchsten Anteil an nachwachsenden Rohstoffen erzielen konnten und gleichzeitig alle technischen Leistungsanforderungen erfüllt wurden. Das von uns verwendete PE besteht zu 85 Prozent aus Resten von bereits verarbeitetem Zuckerrohr und nur zu 15 Prozent aus den gängigen petrochemischen Bestandteilen. Unsere Partner haben uns ein Produkt geliefert, das wir zu einer PE-Formulierung auf biobasierten Rohstoffen weiterentwickeln konnten, die unsere Anforderungen an ein Hochleistungsgarn für Kunstrasen erfüllt.

Worauf kommt es bei Green Technology noch an?

Es geht nicht nur um den Rohstoff, sondern auch darum, welche Energiequellen zur Herstellung verwendet werden. Wurde beispielsweise der Strom zur Polymer- und Garnherstellung und damit letztlich des Rasens mit Windkraft, Solarenergie oder Wasserkraft erzeugt? Unser Produktionsstandort in Grefrath nutzt zum Beispiel ausschließlich Ökostrom mit einem hohen Anteil von Windkraft und Wasserkraft sowie Energie aus nicht fossilen Brennstoffen. Das ist sehr wichtig für die Berechnung der CO2-Bilanz.

Wer hat an der Entwicklung der beiden Kunstrasen mitgearbeitet?

An der Technologie- und Produktentwicklung waren über einen Zeitraum von drei Jahren viele Köpfe der Sport Group aus Europa, den Vereinigten Staaten und Australien beteiligt. Dazu gehörten Chemieingenieure, Materialprüfungstechniker, Experten für Extrusionstechnik, Chemiker und Verfahrenstechniker. Um sicherzustellen, dass die Rasen am Ende gut zu verlegen und zu bespielen sind, haben wir außerdem mit unseren Bauingenieuren, Experten für Sportmechanik und Hockey-, Fußball- und Rubgyspielern zusammengearbeitet.

Towards a climate-smart synthetic turf

Wie hat es sich angefühlt, als Sie merkten, dass es funktioniert?

Es ist sehr erfüllend, Produkte herzustellen, die einen positiven Beitrag für die Allgemeinheit leisten. Und
natürlich haben wir uns sehr über die positiven Rückmeldungen der Spieler, Trainer und Vereine gefreut. Zudem ist es beruflich erfüllend, theoretische Kenntnisse anzuwenden und festzustellen, dass sie in der Praxis funktionieren.

Wie sieht die Zukunft von Green Technology aus?

Um eine „vollständig grüne Lieferkette“ zu erreichen, müssen wir die grünen Technologien weiter verfeinern und neben dem Garn auch auf alle anderen Komponenten anwenden. Green Technology ist ein gesamtheitlicher Ansatz, der in unterschiedlichen Ausprägungen in allen Produktfamilien zu finden ist.
Aber es geht nicht nur um Produkte, sondern zum Beispiel auch um die Produktion. Green Technology beginnt im Labor und endet beim Recycling!

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