Hockey in Deutschland: Warum der Sport immer populärer wird (2)

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Hockey erlebt nicht nur in Deutschland einen Aufschwung. Der temporeiche Sport begeistert viele junge Menschen, so wie auch unsere Polytan-Markenbotschafterin Elisa Gräve. In Teil 1 ging es um die Regeln des Spiels, hier schauen wir auf die Geschichte des Hockeys.

Ein Blick in die Geschichte des Hockeysports

Hockey, das sich mittlerweile zu einer der prestigeträchtigsten Sportarten weltweit entwickelt hat, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Wer darauf schaut, denkt vermutlich zuallererst an England, dem selbsterklärten „Mutterland“ des Hockeyspiels, und dann an dessen ehemalige Kolonien wie etwa Australien, Indien oder Pakistan – dort war und ist Hockey bis heute Volkssport.

Erfunden wurde dieser Sport dort aber nicht. Er hat eine sehr viel reichhaltigere Historie, die nicht mit Kuriositäten geizt. Die Anfänge liegen naturgemäß im Dunkeln, weil weit zurück – die älteste Darstellung, die an Hockeyspieler denken lässt, stammt aus dem alten Ägypten, die Grabmalerei zählt immerhin 4.000 Jahre.

Bis zu 50 Mann pro Team und dann – den Gegner kampfunfähig machen

Schläger- und Ballspiele lange vor der Zeitenwende sind aber auch aus China, Indien und Pakistan bekannt. Von dort müssen sie nach Persien gelangt sein, was wiederum die alten Griechen – Wettkämpfen ohnehin aufgeschlossen, man denke an Olympia – offenbar zu einer Adaption inspiriert hat. Ein hockeyähnliches Spiel auf Tore haben später dann spanische Konquistadoren auch bei den Azteken beobachtet, die mit bis zu 50 Mann pro Team antraten. Wobei es übrigens nicht ausschließlich nur um den Ball ging, sondern auch darum, möglichst viele Gegner kampfunfähig zu machen.

Doch nicht nur die Vorläufer des Hockeyspiels sind vielfältig, auch die Varianten von Stockballspielen sind zahlreich. Zu ihnen gehören Hurling, Lacrosse, Koki, Mail, Mocquet, Shinney, Bandy, Giccho, Dakiu, Tephu, Kathi und Chendu, nur um eine kleine Auswahl zu nennen. Nebenbei bemerkt: Das Wort Hockey stammt aus dem Französischen, wo seit dem Mittelalter „Crosse” gespielt wurde, eine andere Bezeichnung dafür lautete „Hoquet”, was Schäferstock bedeutet. Noch im 12. Jahrhundert hat das Spiel dann den Ärmelkanal überquert, in England taucht es als „Hockey“ auf, in Irland als „Hurling”, die Schotten praktizierten „Shinty”, in Wales wurde „Bandy” gespielt.

Antique photograph of Irish Hurling

Gemeinsame Wurzeln? Hockey und Rugby

Die damaligen Regeln allerdings unterschieden sich erheblich von denen des modernen Hockey-Spiels und erinnern eher an Rugby, denn das Ziel bestand darin, den Ball in ein abgestecktes Feld der gegnerischen Mannschaft zu schießen, und zwar in ein „Tor“, das aus zwei Pfählen bestand. Die Kontrahenten durften den Ball mit dem ganzen Körper spielen oder fangen und sogar einige Meter weit tragen.

Oder der Ball wurde mit einem Schlagholz durch die Luft gedroschen, was ebenfalls den einen oder anderen Gegner kampfunfähig gemacht haben dürfte. Alles in allem handelte es sich also um kampfbetonte Spiele, bei denen die Schläger als Symbole galten und Verzierungen daran etwas über die Herkunft und wohl auch den Charakter des jeweiligen Besitzers mitteilten.

Ein “guter Sport”: Hockey als Pflichtfach für Mädchen

Seinen zugegebenermaßen rauen Charme verloren die Vorläufer des modernen Hockeys im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Vorreiter war das irische Hurling, bei dem die Reduzierung der Spieler pro Team von über 100 auf nur noch 15 für mehr Platz auf dem Platz sorgte und für weniger Kampf Mann gegen Mann.

Was sich aber bald schon als überholt erwies, denn bereits 1832 wurde am Vorzeige-College Eton Hockey als „guter Sport“ empfohlen und als Pflichtfach für Mädchen eingeführt – als Pendant zum Rugby für die Jungs. Die Entwicklung eines zivilisierteren Spiels lässt sich demnach auf eine geschlechtsbedingte Trennung zwischen einem „Kampfsport“ und einer „Damensportart“ zurückführen, zu der Hockey in England dann rasch aufstieg.

Mag es einst auch belächelt worden sein: Tatsache ist, dass Hockey eine der ältesten Sportarten verkörpert, die Frauen zugänglich war, ähnlich dem Tennis. Dieser Historie ist es auch zu verdanken, dass bis heute die Damen in Röcken spielen, zumindest in Überbleibseln davon, welche die knielangen Ungetüme aus dem vorigen Jahrhundert abgelöst haben. Und dass wir bis heute geneigt sind, eher von „Hockeydamen“ zu sprechen als von den „Hockeyfrauen“, auch hier wie beim Tennis.

DIE WELTELITE SPIELT AUF POLYTAN-KUNSTRASEN

Erste Regeln, erste Vereine in England

Doch zurück zu den Anfängen: An den verschiedenen englischen Universitäten wurde die neue Disziplin als Mädchensport gepflegt, aber nach unterschiedlichen Regeln gespielt, was wiederum Wettkämpfe zwischen den Colleges äußerst schwierig machte, da erst Verhandlungen über die Regeln geführt werden mussten – die oft genug scheiterten.

Schluss damit war 1840, als der erste Hockey-Club der Welt in London-Blackheath gegründet wurde, 1852 folgte in Harrow die Festlegung eines ersten schriftlich fixierten Regelwerks, die „Rules of Harrow“, um einen geregelten Spielbetrieb zu ermöglichen. 1875 erblickte in die „Hockey Union“ das Licht der Welt, die allererste nationale Vereinigung, auf die England den Anspruch gründet, das „Mutterland“ des modernen Hockeyspiels zu sein.

Verbindliche Regeln ahndeten nun den körperlichen Kontakt der Spieler – eine signifikante Abgrenzung vom Fußball und Rugby und die wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung eines eleganten, fairen und vor allem körperlosen Spiels in den organisierten Ligen. Bis heute dürfen Gegenspieler nicht abdrängt oder aktiv geblockt werden. Wer sich nicht daran hält, kassiert eine Strafe: die grüne, gelbe oder gar die rote Karte.

Hockey kommt nach Deutschland

1886 gründete sich die „Hockey Association“, 1895 folgte die „All England Woman‘s Hockey Association”. Die erste Hockeyvereinigung auf deutschem Boden verdanken wir englischstämmigen Hockeyspielern in Hannover und Heidelberg, das erste offizielle „Wettspiel“ fand statt zwischen den englischen Schülern des Pädagogiums Bad Godesberg und dem Bonner Königlichen Gymnasium – das Ergebnis ist leider nicht überliefert.

1896 dann die Gründung des „1. Hamburger Hockey Clubs“, die Hansestadt gilt bis heute als Hochburg des deutschen Hockeysports. Daneben fand Hockey vor allem in Berlin schnell großen Anklang, im „Berliner Damen-Hockey Club“ ging 1899 das erste Wettspiel der Frauen auf Vereinsbasis über die Bühne.

Hockey wird olympisch

1908 feierte Hockey in London seine olympische Premiere – allerdings nur für die Herren. Gold gewann – seinerzeit keine große Überraschung – England vor Irland, Bronze teilten sich Schottland und Wales. Doch schon 1928 ging der Staffelstab des Seriensiegers an Indien über, das sieben Mal in Folge den ersten Platz belegte, nur einmal kam ihnen Pakistan dazwischen (1960).

Die Hockeydamen wurden erst 1980 olympisch, Simbabwe war in Moskau die erfolgreichste Mannschaft. Den Medaillenspiegel für Damen und Herren führt Indien an mit achtmal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze, gefolgt von den Niederlanden und Deutschland – noch vor den „traditionellen Hockeynationen“ Australien, Großbritannien und Pakistan.

Polytan Markenbotschafterin Elisa Gräve_Hockey

Nationalspielerin Elisa Gräve und ihr Traum von Olympia

Um den Hockey-Sport in Deutschland zu fördern, unterstützt Polytan einzelne Spielerinnen und Spieler. Beispielsweise Elisa Gräve, die als Nationalspielerin unter anderem 2015 und 2019 die deutsche Hallenhockeymeisterschaft gewann, 2016 Europapokalsiegerin in der Halle und 2019 Vize-Europameisterin in Antwerpen wurde. Auch die Teilnahme an Weltmeisterschaft (Feld) in London 2018 zählt sie zu ihren wichtigsten Erfolgen.

Zum Hockey kam sie übrigens durch ihre Babysitterin – die mit ihr und ihrem Bruder oft Hockey im Garten spielte. Für die beim Düsseldorfer HC beheimatete Spielerin war die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokyo Ziel und Lebenstraum zugleich, dem sie alles untergeordnet hat – Studium, Privatleben, die Klubsaison. Bis ihr wie so vielen anderen Leistungssportlern Corona einen dicken Strich durch die Rechnung machte.

Polytan unterstützt sie natürlich weiterhin, auch damit ihr Traum am Leben bleibt, und wünscht ihr und allen anderen Athleten, dass die Olympischen Spiele nur verschoben sind. Tokyo 2021 – „here we come!“

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